Bitcoin – ein Erklärungsversuch

Bitcoin zu erklären ist sehr komplex. Es gibt einige Aspekte zu beachten und es ist sehr schwer das ganze Thema kurz und verständlich zu erklären. Vor allem wenn man wie ich technisch sehr interessiert ist, schweifen die Erklärungen gerne in Details ab die für noch mehr Verwirrung beim Gegenüber sorgen. Noch schwieriger wird es durch die etwas unglückliche Namensgebung – sowohl die Währung „Bitcoin“ als auch das ihr zugrunde liegende Protokoll „bitcoin“ haben bis auf die Groß-/Kleinschreibung die exakt gleiche Bezeichnung. Und schon beginnen wir uns in Details zu verlieren … also zurück zum Wesentlichen.

Ich will hier zuerst Bitcoin nur grob vereinfacht beschreiben. In weiteren Beiträgen gehe ich dann auf die Details ein. Die zusammenfassende Erklärung auf der Bitcoin Seite beinhaltet zwar wichtige Informationen spricht aber auch sehr viele – für die meisten – anfangs verwirrende Themen an:

Bitcoin nutzt Peer-To-Peer-Technologie, um ohne zentrale Autorität auszukommen; die Bearbeitung von Transaktionen und die Ausgabe von Bitcoins wird kollektiv durch das Netzwerk übernommen. Bitcoin ist Open-Source; das Design ist öffentlich, Bitcoin gehört niemandem und wird von niemandem kontrolliert. Jeder kann teilhaben. Durch viele seiner einzigartigen Eigenschaften eröffnet Bitcoin aufregende Nutzungsmöglichkeiten, die durch keines der bisherigen Zahlungssysteme abgedeckt sind.

Quelle: https://bitcoin.org/de

Wenn ich die Bitcoin-Währung mit möglichst wenigen Details beschreiben müsste würde ich es mit meinem jetzigen Wissenstand, so tun:

Bitcoins sind digitale Währungseinheiten die es erstmals in der Geschichte ermöglichen Überweisungen ohne zentrale Stelle (Banken), weltweit, innerhalb kurzer Zeit, kostengünstig – direkt zwischen zwei Personen – durchzuführen.

Das ist natürlich keine Erklärung was Bitcoins im technischen Sinne sind und beschreibt eigentlich nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten aber es deutet schon an wie bahnbrechend diese Erfindung ist.

Wer jetzt noch immer liest will es vermutlich doch etwas genauer wissen. Gehen wir auf die oben genannten Eigenschaften ein:

Überweisungen ohne zentrale Stelle

Anders als unsere jetziges Zahlungssysteme von Banken oder Zahlungsanbietern wie PayPal benötigt Bitcoin keine zentrale Verwaltungsstelle(n). Bitcoin-Überweisungen (Transaktionen) werden stattdessen über ein dezentralisiertes P2P-Netzwerk (siehe Peer-to-peer Netzwerk) übertragen und in einer dezentralen Datenbank, genannt Blockchain, gespeichert. Das erste mir bekannte P2P-Netzwerk hat die ganze Musikindustrie auf den Kopf gestellt – Napster. Ich glaube aber im Gegensatz zu Napster wird Bitcoin viele Industrien auf den Kopf stellen – nicht nur die Finanzindustrie.
Interessantes Detail: Napster basierte zwar auf direkten Datenaustausch zwischen zwei Rechnern (P2P) aber für die Verwaltung waren zentrale Server zuständig und machten das System verwundbar. Bitcoin kommt mittels Blockchain jedoch ohne zentrale Server aus und kann darum auch nicht einfach abgeschalten oder gekauft werden. Aber dazu in späteren Beiträgen mehr.

Weltweit

Bitcoin ist als digitale Währung zumindest überall verfügbar wo es Internet * gibt und so an keine Staatsgrenzen oder Kontinente gebunden. Durch die dezentrale Bitcoin Technologie ist es möglich das Bitcoins direkt übertragen werden, egal ob die Personen nebeneinander oder 20.000 Kilometer entfernt voneinander sind. Es kostet deswegen nicht mehr und dauert auch nicht länger.

* Dort wo kein Internet verfügbar ist, können Bitcoins auch per SMS transferiert werden. Startups wie 37coins und BitPesa zeigen wie es funktioniert.

Kurze Transaktionszeit

Ich wundere mich als Programmierer schon seit einiger Zeit wieso Banküberweisungen im Inland zumindest bis zum nächsten Werktag dauern obwohl technisch gesehen auch nur digitale Kontostände verändert werden und diese eigentlich in Sekundenschnelle übertragen werden. Da sprechen wir aber noch gar nicht von internationalen Überweisungen ausserhalb der EU – die dauern schon mal 1 – 2 Wochen. Auch hier funktionieren mit Hilfe von Bitcoin Überweisungen so wie sie sollten – innerhalb von wenigen Sekunden kann man den Zahlungseingang feststellen und nach ca. 10 Minuten kann man sich der Transaktion sicher sein. Dabei spielt es keine Rolle ob die Überweisung ans andere Ende der Welt geht oder ob es sich um einen Feiertag handelt – die Transaktion wird unmittelbar durchgeführt.

Kostengünstig

Wie auch schon bei den oben genannten Faktoren wie Zeit und geographische Lage spielt es auch bei den Transaktionskosten keine Rolle wohin die Überweisung geht. Überweisungen im In- und Ausland kosten gleich viel oder wenig. Sogar kostenlose Überweisungen sind möglich – allerdings kann es dann etwas länger dauern bis die Überweisung durchgeführt wird. Details zu den Gebühren und Belohnungssystem und dem s.g. Bitcoin-Mining in späteren Beiträgen.

Fazit

Obwohl wir hier großteils Bitcoin „nur“ als Währung besprochen und gerade mal an der Oberfläche gekratzt haben, lässt sich erahnen wie durchdacht und ausgefinkelt ein System sein muss um das alles zu ermöglichen. Es bleibt spannend und wir arbeiten uns weiter vor.

Weitere Ressourcen

Drüben bei Coinspondent habe ich einen Fragen & Antworten Bereich entdeckt der die Basics kurz und prägnant erklärt. Ich werde die einzelnen Themen hier im Blog schrittweise ausführlicher besprechen.

 

Fotonachweis Coverphoto: ©Tim / Fotolia.com

Veröffentlicht von

ndeet

Webdeveloper, Unternehmer und Nicht-Stehen-Bleiber.

2 Gedanken zu „Bitcoin – ein Erklärungsversuch“

  1. Das Interesse an dieser digitalen Währung ist sicherlich da, aber die Pleite von Mt. Gox tragen nicht unbedingt dazu bei, dass auch das Vertrauen in diese Form der Währung ansteigt. Hier bleibt abzuwarten, was daraus mit der Zeit noch wird.

    1. Ja, bis dahin sind die gekauften Bitcoins noch wochenlang bei der Exchange herum gelegen bis auf einmal alles weg war. Bitcoin ist sicherlich nicht zuletzt durch die Mt.Gox (oder besser EmptyGox) Pleite in die negativen Schlagzeilen gekommen. Alle Pleite gegangenen und noch aktive Bitcoin-Exchanges operieren noch immer als zentrales System und somit sozusagen als single-point-of-failure.
      Dabei ist es mit Bitcoin möglich die Einlagen der Kunden mit dem so genannten Multisig (Multisignature – mehrfache Unterschriften) zu sichern. Damit kann man Transaktionen so sichern dass immer eine Unterschrift vom Besitzer und der Bitcoin-Exchange nötig ist um eine Transaktion durchzuführen. D.h. auch wenn ein Hacker das System kompromittiert könnte er keine Bitcoins entwenden wie es bei EmptyGox oder zuletzt bei Bitstamp und vielen anderen der Fall war. Für eine Transaktion wäre immer die Unterschrift der Exchange + des Inhabers nötig. Man könnte sogar noch eine dritte Instanz als Treuhänder dazwischen schalten.

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