Bitcoin Abspaltung oder nur heisse Luft?

Info: Der Betrag wurde im März begonnen aber aufgrund von erfreulichem Familienzuwachs nie zu Ende geschrieben und veröffentlicht. Die Bedrohung durch BU hat sich erledigt und wird erst mit BIP148 und Bitmains Hiobsbotschaft wieder aktuell. Da es schade um diesen Beitrag wäre veröffentliche ich den Beitrag so wie er ist. Mehr zu BIP148 (UASF) und der erneuten Bitmain Drohung im nächsten Beitrag.

 

Bitcoin ist zum gefühlten tausendsten Mal kurz vor dem Scheitern. Aktueller Anlass ist eine über bereits Jahre geführte Diskussion wie Bitcoin skaliert werden kann und der exponentiell steigenden Anzahl an Benutzern gerecht werden kann. Nachdem bereits „Bitcoin XT“ und „Bitcoin Classic“ als Bitcoin Hard-Fork (Abspaltung) gescheitert sind, ist mit „Bitcoin Unlimited“ (BU) ein seit letztem Jahr neuer Herausforderer am Start.

BU hat es allerdings anscheinend in sich, nicht aufgrund der technischen Lösung sondern aufgrund der hinter BU stehenden Personen. Zumindest auf Twitter hat es den Anschein dass es hier um die Zukunft von Bitcoin geht.

Ist Bitcoin Unlimited (BU) eine Alternative?

BU hat sich als technische Lösung selbst abgeschossen. Als Programmierer kann ich nur sagen: Hände weg von BU. BU hat keinen funktionierenden Code-Review Prozess und nur ein paar Entwickler die daran arbeiten. Gezeigt hat sich das durch zwei fatale Fehler die Bitcoin Benutzern und Minern Millionen gekostet hätten – ganz zu schweigen von dem Image-Schaden der dadurch entstanden wäre.  Konkret gab es allein in den letzten zwei Monaten folgende gravierende Fehler:

  1. BU hat einen zu großen Block erzeugt der von anderen Bitcoin Nodes als invalide markiert wird und verworfen wurde. Das hat einem Miner 13.2 Bitcoins (zum Zeitpunkt ca. 13.000 US-$) gekostet. Doch es hätte noch schlimmer kommen können. So genannte SPV-Miner (Miner die nicht die komplette Blockchain laden und so u.U. nicht wissen dass der Block invalide ist) hätten auf diesem invaliden Block aufgebaut und weitere invalide Blöcke erzeugt die alle verworfen worden wären.
  2. BU hat einen Remote-Exploit mangels Code-Review übersehen der es erlaubte dass BU Nodes einfach zum Absturz gebracht werden konnten. Gar nicht auszudenken was passiert wäre wenn das im gesamten Bitcoin-Netwzerk passiert wäre.

Sicherheitsforscher und Bitcoin Core Entwickler haben angedeutet dass das nicht die einzigen Bugs in BU sind und es noch mehr davon gibt.

BU Fazit: Egal wie man zu der Skalierungsdebatte steht, Bitcoin Unlimited kann technisch gesehen kein 20 Mrd. $ Bitcoin-Netzwerk anvertraut werden. Das wäre technischer Selbstmord.

Neben den groben Fehlern in der Programmierung gibt es auch noch sehr fragwürdige neue Regeln die BU, mit einer variablen Blockgröße die Miner festlegen können, einführen will. (Anm.: hierzu gibt es evtl. einen eigenen Blogartikel).

Worum geht es beim Bitcoin Hard-Fork wirklich?

Trotz der oben genannten fatalen Fehler und offensichtlicher technischer Unzulänglichkeiten ist die Bedrohung durch einen Hard-Fork durch BU weiterhin omnipräsent und nimmt gefühlt noch zu.

BU Supporter glauben z.B. auch das ein Hard-Fork (wie bei Ethereum bereits geschehen) nicht schlimm ist und unterm Strich die zwei neuen Bitcoins den derzeitigen Wert übersteigen werden. Das ist meiner Meinung nach ein Trugschluss. Ethereum war ein technischer Fork und hat keine Marktmacht und dient auch nicht als Wertspeicher.

Bitcoin hingegen wird neben Zahlungsmittel auch sehr stark als Wertspeicher verwendet. Das Versprechen dass es immer nur 21 Mio. Bitcoins geben wird trägt meiner Meinung nach sehr viel zu seinem derzeitigen Wert bei. Ein Hard-Fork würde das Vertrauen in dieses Versprechen stark schwächen. Auch wenn der abgespaltene BU Coin wieder in der Versenkung verschwindet.

Zudem ist der Ethereum Hard-Fork der bisher einzige Hard-Fork einer größeren Blockchain. Wir haben historisch gesehen also bisher nur einen einzigen Vorfall als Referenzwert – das ist etwas wenig. Jedenfalls zu wenig um Rückschlüsse ziehen zu können und auf einem 20 Mrd. $ wertvollen Bitcoin auszuprobieren.

Was ist hier wirklich los, wer steht hinter BU?

Die lauteste Stimme der BU Fraktion ist wohl Roger Ver, der einstige „Bitcoin Jesus“ erscheint mir vom Weg abgekommen zu sein. Seine unhaltbaren Aussagen und Anschuldigungen gegen das Bitcoin Core Team sind teilweise so abstrus das ich (und wohl viele andere) ihn leider nicht mehr ernst nehmen können.

Problem ist nur, Roger Ver ist in sehr viele Bitcoin Startups investiert und ein Early-Adopter der mit Bitcoin sehr Reich wurde. Unbestätigten Schätzungen aus Twitter-Quellen zufolge könnte sein Bitcoin-Vermögen mehr als 100.000 – 200.000 Bitcoins betragen. Abgesehen davon hat sich Ver noch sehr wertvolle Domains wie bitcoin.com oder btc.com gesichert. Er verwendet diese zur Verbreitung seiner Sicht der Dinge. Das wäre im Falle eines Hard-Forks mit zwei Bitcoins sehr problematisch da es für Bitcoin-Neulinge schwierig wäre zu verstehen was jetzt der „normale“ Bitcoin ist und was der „andere“ Bitcoin ist.

Die wohl einflussreichste Person ist aber der mir bisher unbekannte Jihan Wu, Co-Founder von Bitmain. Bitmain ist einer der beiden dominierenden Mining-Hardware-Hersteller mit einem geschätzten Marktanteil von 70%! Das ist sicher ein riesiges Problem für eine dezentralisierte Cryptowährung wie Bitcoin. Es ist mir schleierhaft wie es dazu kommen konnte (Thema für anderen Blogpost). Jedenfalls scheint Jihan Wu die treibende Kraft hinter den Kulissen zu sein. Abgesehen von der Marktmacht betreibt Bitmain auch noch den größten Mining-Pool „Antpool“ mit derzeit 17,3 % Hashing-Power. Dieser Mining-Pool hat (für alle seine Miner) bekanntgegeben jetzt BU einzusetzen.

In den sozialen Medien wird auch unbestätigt gemunkelt dass Jihan Wu Miner aktiv davon „überzeugt“ BU zu unterstützen. Das scheint auch naheliegend zu sein, denn wenn ein Miner keinen Zugang zur neuesten Hardware mehr hat ist er ganz schnell Weg vom Fenster.

Wäre das nicht alles schon genug wird derzeit eifrig an einer riesigen Mining-Farm gebaut (Live angeblich ab 2. Quartal 2017). Investor ist der für seine gleichnamige Antiviren Software bekannte John McAfee. McAfee ist in den letzten Jahren aber eher durch fragwürdige Aktionen in der Öffentlichkeit aufgefallen. Ein Dream-Team 😉

Bedrohung durch (chinesische) Bitcoin-Miner

Aufmerksam wurde ich durch den Tweetstorm von Andrew DeSantis (@desantis)

DeSantis zeigt hier auf wie sehr zentralisiert das Bitcoin Mining in China ist. Kurze Transportwege, günstige Stromkosten und ein Hardware-Hersteller mit 70% Marktanteil sind etwas beunruhigend.

Edit: 15.06.2017
Wie oben beschrieben hat sich dieses Bedrohungszenario im März/April erledigt. Wird jetzt aber wieder aktuell. Mehr dazu im kommenden Beitrag.

 

Veröffentlicht von

ndeet

Webdeveloper, Unternehmer und Nicht-Stehen-Bleiber.